1945 bis 1989 - die Friedrichstadt in der DDR
die Friedrichstraße 1986 - die Fassade des heutigen Kinderzentrums Nr. 42 (links) bis 36.
Auch die Friedrichstadt blieb von den Folgen des Zweiten Weltkrieges nicht verschont. Die Luftangriffe 1944/45 zerstörten zirka 440 Gebäude, viele wurden außerdem stark beschädigt.
Der Wiederaufbau in der DDR orientierte sich auf die Innenstädte. Die nicht im Zentrum liegende Friedrichstadt war als geschlossener Industrie- und Gewerbestandort konzipiert. Folglich gab es auch keine Pläne, die Wohnbauten zu reparieren. Zudem war der Bauzustand vieler Gebäude schon in der Vorkriegszeit desolat. Im Sommer 1958 suchte sich die Weißeritz noch einmal ihr altes Flussbett und überflutete weite Teile der Friedrichstadt.
Erst 1967 geriet der Stadtteil ins Visier der Stadtplaner. Der Generalbebauungs- und Verkehrsplan beabsichtigte den radikalen Umbau. Auf der Friedrichstraße sollten lediglich das Marcolinipalais, der Alte Katholische Friedhof und die Matthäuskirche erhalten bleiben.
Hofansicht der Friedrichstraße 38 vor der Sanierung
Die Kirche und Teile des Friedrichstädter Krankenhauses wurden wieder aufgebaut bzw. rekonstruiert. Fast alle Wohngebäude dagegen waren für den Abriss vorgesehen. Dafür sollte ein völlig neuer Stadtteil mit sechs-, zehn- und sechzehngeschossigen Plattenbauten entstehen. In der Schäferstraße wurde historische Bausubstanz abgerissen und durch sechsgeschossige Plattenbauten vom Typ WBS 70 „ersetzt“. Noch 1989 wurden Häuser an der Nordseite der Schäferstraße gesprengt.
Ab Mitte der siebziger Jahre wurde europaweit der Erhaltung historischer Gebäude eine größere Bedeutung beigemessen. In der Friedrichstadt profitierte davon die Berliner Straße, wo ab 1974 die Gründerzeithäuser saniert wurden. Auch die Friedrichstraße 29 und 33 wurden ab 1976 denkmalgerecht saniert. Von den Planungen zu einem großen Neubaugebiet mit Hochhäusern nahm man Abstand.
Die restliche Friedrichstadt versank im Dornröschenschlaf.
Der Kindergarten im Duckwitzhaus
Ab etwa 1953 war im Duckwitzhaus die größte Kindertageseinrichtung der DDR untergebracht. Bis zu 230 Kinder ab drei Jahren wurden ganztägig betreut.
Die letzte amtierende Leiterin des Kindergartens von 1978 bis zur Schließung 1998 war Frau Csizmadia. Neben ihr waren 15 Erzieherinnen, drei technische Kräfte (Reinigung), ein Hausmeister, eine Logopädin und zwei Küchenkräfte angestellt. Der Kindergarten verfügte über eine eigene Küche, der Nachbarkindergarten Nr. 34 (Fridolin) wurde mit bekocht. Die Eltern bezahlten für das Mittagessen 35 Pfennig und 20 Pfennig für die Milch.
Kinder vom Kindergarten Duckwitzhaus
In der DDR war diese Einrichtung ein Vorzeigekindergarten: Delegationen aus dem Ausland besichtigten ihn. Wie zu dieser Zeit üblich, wurde viel in Eigenarbeit und an den Feierabenden erbaut und verbessert. Die Angestellten und ihre Ehepartner strichen die Wände, gestalteten den Garten, besorgten Betonplatten und errichteten einen Gehweg. Der Garten war für die Kinder ideal: groß, hügelige Wiesen, Bäume, Hecken und Büsche.
Nach der Wende kamen immer weniger Kinder, so dass das Haus nicht ausgelastet war. Deshalb nahm man 1995 Grundschüler als Hortkinder in der Nr. 34 mit auf. Kinder mit Sprachstörungen wurden in die Gruppen gesunder Kinder integriert. Den Kindern wurde viel geboten: wöchentliche Sauna und schwimmen, Projektwochen, gesunde Ernährung, ein Sportfest. 1998 wurde der Kindergarten geschlossen.