Der Dresdner Stadtteil bis 1945
1835 wurde die Friedrichstadt nach Dresden eingemeindet. Mit dem Verlust der Selbständigkeit ging auch eine Änderung der Hausnummern einher. Die Gebäude des heutigen Kinderzentrums wurden von 16c/16d zu Friedrichstraße 31 und 32. Die gegenwärtig gültigen Hausnummern 38/40 erhielten die beiden Häuser erst 1889.
Ab 1845 wurde das Marcolinische Palais zum ersten innerstädtischen Krankenhaus in Dresden ausgebaut und 1849 seiner neuen Bestimmung übergeben. Bis dahin musste das Krankenhaus wegen der Angst vor Seuchen weit außerhalb liegen. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich der Stadtteil zunehmend in Richtung Industrie- und Verkehrsstandort.
die Friedrichstraße um 1935 - Blick nach Nordwesten
Im Frühjahr 1845 überflutete das seit Menschengedenken schwerste Hochwasser der Elbe und der Weißeritz weite Teile der Friedrichstadt. Unter dem Eindruck dieses verheerenden Hochwassers entwickelte der hier wohnende Vermessungsingenieur Friedrich Carl Pressler weitreichende Pläne zur Verlegung der Weißeritz und der infrastrukturellen Anbindung der Friedrichstadt. Bis dahin war die Weißeritzbrücke an der Friedrichstraße die einzige Verbindung zur Innenstadt. 1873/75 wurde die Wettiner (heute Schweriner) Straße mit der Schäferstraße verbunden.
Der Wettiner Bahnhof (Bahnhof Mitte) wird auf dem durch die Verlegung der Weißeritz gewonnenen Bauland errichtet. Der 1895 eröffnete Alberthafen forcierte die Entwicklung der Friedrichstadt zum Verkehrsknotenpunkt von Dresden. Auch die Industrialisierung schritt weiter voran.
Gewerbeansiedlungen im 19. und 20. Jahrhundert
- Presshefe- und Spiritusfabrik Bramsch (1842)
- Nähmaschinenfabrik von Seidel & Naumann (1884)
- Zigarettenfabrik Yenidze (1908/1909)
- Hafenmühle Bienert (1913)
- Schlachthof im Ostragehege (1906/1914) - damals modernster deutscher Komplex dieser Art
- Großmarkthalle an der Schweriner Straße (1893/95)
- Kühlhaus an der Magdeburger Straße (1911)
Richard von Hagn auf dem Brückenweg hinter dem Grundstück Nr. 42
Ölgemälde des Dresdner Bankiers Heinrich Eduard Duckwitz
Die Gebäude der Friedrichstraße
Auch die Häuser in der Friedrichstraße 38 und 40 wurden lange Zeit gewerblich genutzt. Im 19. Jahrhundert befanden sich hier ein Waschhaus und eine Kolonialwaren- und Samenhandlung, nach 1900 die Glasmalerei Urban & Goller und die Elektrowerkstatt Bastian.
Bis zur Jahrhundertwende wohnten vorrangig kleine Beamte und Witwen, nach 1900 nur noch Arbeiter in der Friedrichstraße 38/40. Um 1860 gehörte die Nummer 38 dem Vincentius Verein. Dieser widmete sich vorrangig der Unterstützung in Not geratener Katholiken.
Zu trauriger Berühmtheit gelangte die Friedrichstraße 22. Im dortigen Keglerheim ging die Polizei am 25. Januar 1933 gewaltsam gegen Anhänger des Kommunistischen Kampfbundes vor. Neun Tote und zwölf Schwerverletzte waren zu beklagen.
Neben Ludwig Richter lebte auch der Husumer Maler Richard von Hagn in Nr. 42. Seine ehemalige Wohnung, in der er bis zu seinem Tod 1933 lebte, befindet sich im heutigen Hotel Café Friedrichstadt. Zeitgemäß restauriert wird sie jetzt als Appartement vermietet.
Das Duckwitzhaus
Bereits 1845 wurde das heute als Duckwitzhaus bekannte Gebäude auf der Friedrichstraße erbaut. Der Dresdner Bankier Heinrich Eduard Duckwitz war Eigentümer der Nummer 34. Bis zu seinem Tod im Jahr 1858 nutzte Duckwitz einige Räume als Sommerwohnung.
Den Großteil der Räume vermietete er an Angestellte der Stadt, an Professoren, Mathematiker etc.. Testamentarisch hinterließ er zum großen Teil sein Vermögen „zur Begründung und Unterhaltung einer Versorgungsanstalt für alte oder hilfsbedürftige Bürger“. Er bestimmte aber auch, dass seine Witwe „bis zu ihrem Ableben im Genusse der Nutzung des Stiftungsvermögens bleibt“.
Bis in den Zweiten Weltkrieg war die Duckwitzstiftung Eigentümer der Gebäude Nr. 34 und 36. Von 1880 bis 1893 befand sich eine Filiale des Bürgerhospitals in den Häusern. Das Bürgerhospital verfolgte einen ähnlichen Zweck wie die Duckwitzstiftung: Aufnahme bedürftiger und würdiger alter Bürger und Bürgerehepaare der Stadt Dresden.
das Duckwitzhaus um 1954
Ab 1893 bis 1937 befand sich im Gartengebäude/ Hintergartenhaus des Duckwitzhauses 34/36 ein Kindergarten des Fröbelschen Erziehungsvereins. Ab 1931 städtischer Kindergarten Dresdens. Gegen einen angemessenen Mietzins überließ die Stadt Dresden das Gebäude und einen Teil des Gartens dieser Einrichtung. In Nr. 36 war der geräumige Garten für die Kinder ideal: Es wurden Gartenbeete angelegt und ein überdachter Spielplatz schützte die Kinder vor der Sonne.