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Die Vorstadt

17. bis 19. Jahrhundert

Die eigentliche Vorgeschichte der Friedrichstadt begann 1670. Kurfürst Johann Georg II. warb Siedlungswillige für die neu zu gründende Vorstadt Neuostra-Ostra. Ziel war die Verstärkung der Besatzung der Festung Dresden und die Ansiedlung eines „Gewerbegebietes“. Eine zehnjährige Steuerfreiheit und die Überlassung der Grundstücke fast zum Nulltarif sollte vor allem Handwerker an die Straße zum Ostravorwerk locken.

Plan der Dresdner Friedrichstadt 1832/37

Doch die Werbung hatte wenig Erfolg. Der Rat von Dresden und die Dresdner Zünfte stritten mit dem Kurfürst um Marktrechte und Gewerbefreiheit. Wegen der rechtlichen Unsicherheit ließen sich nur wenige Handwerker in der neuen Vorstadt nieder. Statt dessen nutzten Adlige und reiche Bürger die Gelegenheit, billig Grundstücke für Gärten und Lusthäuser zu erwerben. Durch ein bis 1736 geltendes Verbot, zum Bau von Steinhäusern, entwickelte sich die Vorstadt jedoch nur sehr zögerlich.

Beleg dafür ist auch das Grundstück Friedrichstraße 38. Dieses erwarb Phillip Friedrich Löffler Jagdbalg 1720 als Baugrund, dennoch blieb es lange Zeit unbebaut. Auch für die Nr. 40 ist auf alten Stadtplänen noch 1781 nur ein Garten zu finden. Beide Häuser sind also wahrscheinlich erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts erbaut worden.

Die Wettiner versuchten ihre neue Vorstadt nach Kräften zu fördern. Auf Veranlassung Augusts des Starken wurde 1729 ein Bebauungsplan erstellt, das rechteckige Straßenraster ist heute noch auf dem Stadtplan erkennbar. 1735 wurden die Straßen gepflastert und erhielten um 1780 sogar nächtliche Beleuchtung durch 140 Laternen. Die befestigten und beleuchteten Straßen hoben sich wohltuend von den engen, schmutzigen Gassen der Dresdner Altstadt ab.

Die Bebauung erfolgte nach vorgegebenen Mustern. Um die Residenz besser zur Wirkung kommen zu lassen, mussten Vorstadthäuser niedriger und einfacher gestaltet sein. Vorgeschrieben waren eine Hauptgesimshöhe von 17 Ellen (9,60 m) und maximal drei Geschosse. Dachausbauten waren erst nach 1840 erlaubt. Die symmetrischen Fassaden waren meist nur aufgemalt.

1728/30 erhielt die Gemeinde eine eigene Kirche, die Matthäuskirche. Sie wurde nach einem Entwurf von Matthias Daniel Pöppelmann erbaut. Ein regelmäßiges Markttreiben auf dem vorgesehenen Platz scheiterte jedoch am Widerstand der Stadt Dresden.

Zumindest bei der Ansiedlung von Manufakturen ließen sich einige Erfolge verbuchen. So gründete Johann Daniel Craft 1678 eine Wollmanufaktur. 1692 entstand die kurfürstliche Salpeterhütte an der Schäferstraße und vier Jahre später eine Glashütte nahe der Weißeritzbrücke. Der Kammerherr von Blumenthal legte 1718 eine große Wachsbleiche an, die gleichnamige Straße gibt es noch heute.

Zu Ehren des Kurprinzen und späteren Regenten Friedrich August II. – dem einzigen ehelichen Sohn August des Starken – nahm der Vorort 1730 den Namen Friedrichstadt an.

Die Hauptstraße der Vorstadt war zweifellos die Friedrichstraße. Sie wurde zuerst besiedelt und ist die älteste Straße. Ursprünglich wurde sie nach ihrem Verlauf zum Vorwerk Ostraer Gasse bzw. Ostergasse genannt. Mit Bezug auf die Weißeritzbrücke hieß sie ab 1732 Brücken­straße. Den heutigen Namen erhielt sie im ehrenden Angedenken an den Kurfürst Friedrich August I. (August der Starke) erst 1830.

Vorstadtbebauung in der Friedrichstadt

Die wichtigsten Baulichkeiten der Vorstadt:

  • die bereits genannte Matthäuskirche mit zugehörigem Friedhof
  • das katholische Krankenstift (1747)
  • der katholische Friedhof (1721)
  • das Marcolinipalais - eine erste kleinere Anlage wurde ab 1736 von Johann Christoph Knöffel für den Grafen von Brühl ausgebaut. Nach dessen Tod 1763 wurde der Besitz zerschlagen. Ab 1774 gelang es Camillo von Marcolini, den Besitz wieder zusammenzukaufen. Im Anschluss ließ er die noch heute beeindruckende Anlage abermals umbauen.

Maler, Politiker, Kriegsherren, einige berühmte Persönlichkeiten kamen in die Friedrichstadt oder lebten hier. Im großen Gartenhaus Friedrichstraße 44 wurde im Jahr 1803 der Maler der Romantik Ludwig Richter geboren. 1813 traf Napoleon im Marcolinipalais den Fürsten Metternich. Auch Schulgeschichte wurde in der Friedrichstadt geschrieben: 1787 entstand hier das erste sächsische Lehrerseminar. Die Seminarstraße erinnert heute noch daran.